Fügung nennt Lilly Maier es, oder Schicksal. Sie meint damit, dass sie als 11-Jährige den Holocaust-Überlebenden Arthur kennengelernt hat. Lilly Maier lebte damals mit ihrer Familie in Wien, in einer gemütlichen Altbauwohnung. Arthur, der als Kind noch Oswald hieß, lebte 60 Jahre zuvor in derselben Wohnung. Mittlerweile Amerikaner und dort fest verwurzelt, wollte Arthur dennoch noch einmal in seine Vergangenheit zurück. Dorthin wo er damals seine Familie zum letzten Mal gesehen hatte. Nach Wien, in die gemütliche Altbauwohnung. Erinnerungen wecken, an seine Eltern, seinen Bruder. Sie alle haben den Holocaust nicht überlebt. Arthur konnte als einziges Familienmitglied durch einen Kindertransport gerettet werden. Er war 10 Jahre alt als sein Weg ihn über Frankreich nach Amerika führte. Ohne Eltern, mit vielen weiteren Kindertransport-Kindern, die zu seiner Familie wurden.

Für Lillys Mutter ist klar, dass Arthur die Wohnung seiner Kindheit anschauen darf. Sich noch einmal erinnern. Den Eltern und dem Bruder nahe sein. Sie bereitet Lilly auf das Zusammentreffen vor. Lilly und Arthur sind sich sofort sympathisch und der mittlerweile alte Mann erzählt der 11-jährigen viel aus seinem Leben. Lilly lernt Arthurs ganze Familie kennen und später auch lieben. Später begibt sie sich auf die Spuren von Arthurs Leben. Sie reist, forscht nach, beschäftigt sich mit den Kindertransporten damals und promoviert nun bald, mit nur 27 Jahren in Jüdischer Geschichte. Arthur verstarb 2017 aber er hat durch Lilly etwas hinterlassen, seine Geschichte. Diese Geschichte berührt und macht nachdenklich.  Arthur wurde gerettet, so viele andere nicht. Der Preis für seine Rettung scheint jedoch auch den Schülern und Schülerinnen der Anne-Frank-Schule hoch. Die Familie zurücklassen, mit 10 Jahren. Ein völlig neues Leben starten, in fremden Ländern. Angst vor Bomben, Verfolgung und davor die eigene Familie nie wiederzusehen. Die Schülerinnen und Schüler lauschten gespannt.Die Bilder von damals und heute zeigen, dass die Geschichte von Arthur und Lilly real ist. Das ist wirklich so passiert. 1000 fach.

Viele Fragen haben die Schüler und Schülerinnen im Anschluss. Wie viele Kinder haben so überlebt? Warum konnte Arthur seinen Bruder nicht mitnehmen? Würden Sie ihre eigenen Kinder einfach wegschicken, um sie vielleicht zu retten? War Arthur ein Flüchtling?

Und die Feststellung: Arthur wäre in diesem Jahr genauso alt wie unsere Namensgeberin Anne-Frank geworden: 90! Arthur hat überlebt, Anne Frank leider nicht.

 

Jutta Hoffmann